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Robotik-Design-Studie am MIRMI: Pflegeroboter als Dienstleister gefragt

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Besonders als Unterstützung bei täglichen Aufgaben und für den Einsatz von Medien wie Video, Telefon oder Internet sind Pflegeroboter gern gesehen. Das ist das Ergebnis einer Studie vom Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (MIRMI) der Technischen Universität München (TUM) im Rahmen des Forschungsprojektes KoBo34.

Wie kommt der Pflegeroboter GARMI aus dem Geriatronik-Forschungszentrum in Garmisch-Partenkirchen bei den Menschen an und wie schneidet er im Vergleich zu anderen Pflegerobotern ab? Mit diesen zwei Fragenkomplexen beschäftigen sich zwei Studien, auf die sich Wissenschaftlerin Eva Theresa Jahn vom MIRMI in den letzten beiden Jahren im Rahmen des Forschungsprojektes KoBo34 konzentriert hat.

Erste Befragung: Pflegeroboter GARMI im Fokus

Die erste Befragung fand im Rahmen der Robotik-Ausstellung KI.Robotik.Design in der Pinakothek der Moderne in München statt. Der MIRMI-Pflegeroboter war bei der Befragung vor Ort, so dass die 250 Umfrageteilnehmer einen direkten Eindruck von ihm bekamen:

  • Ältere Menschen sehen GARMI als universellen Helfer: In Hinsicht auf potenzielle Aufgaben, die ein Pflegeroboter übernehmen kann, kommt GARMI besonders unter älteren Personen (51 Jahre und älter) gut an, während jüngere Menschen etwas zurückhaltender sind. Egal ob es um Unterstützung im Haushalt (Serve), um eher körpernahe Dienstleistungen wie Massage, Hygiene und Ankleiden (Needs), Unterstützung in der Mobilität wie Aufstehen und ins Bett gehen (Mobility) oder den Einsatz von Medien wie etwa Video, Telefon, Alarmfunktionen oder Internet (Multimedia): Auf einer Bewertungsskala von 1 (negativ) bis 5 (positiv) ergaben sich für die älteren Befragten durchschnittlich sehr gute Werte von knapp 4.0.
  • Personen mit Pflegeerfahrung finden GARMI sympathischer als andere Befragte: Personen, die Erfahrung in der Pflege besitzen, empfinden GARMI durchweg als sympathischer als Befragte, die nicht in der Pflege beschäftigt sind. Bei der Befragung stellte sich heraus, dass der Kopf und das Gesicht des GARMI als sympathischste Körperteile empfunden werden, Arme und die Basis eher als durchschnittlich. Grund dafür könnte sein, dass „Pflegekräfte im Beruf sehr stark eingebunden sind und sich Unterstützung von einem Pflegeroboter erhoffen“, meint Wissenschaftlerin Jahn.
  • Hohe Akzeptanz besonders in der Generation 51+: Besonders im Krankenhaus und in Pflegezentren hält die Generation 51+ Pflegeroboter GARMI für geeignet. Die Akzeptanzwerte sinken etwas, wenn es darum geht, GARMI generell zu Hause einzusetzen oder sich selbst von ihm unterstützen zu lassen.

Zweite Befragung: GARMI im Vergleich zu anderen Pflegerobotern

In einer zweiten Befragung im Rahmen der Robotikausstellung im Deutschen Museum in München befragte Wissenschaftlerin Jahn Schülerinnen und Schüler sowie Besucherinnen und Besucher der Ausstellung, wie ihnen Roboter gefallen. Exakt 500 verschiedene Roboter wurden von den Befragten anhand von Abbildungen eingeschätzt und bewertet. Für eine gesonderte Auswertung pickte sich Jahn sechs Pflegeroboter heraus, die mit GARMI vergleichbar sind.

  • Care-O-Bot und GARMI in Sympathiewerten vorne: In Hinsicht auf die Sympathiewerte schnitt GARMI zusammen mit dem Care-O-Bot aus dem Fraunhofer-Institut für Automatisierung und Produktionstechnik (IPA) am besten ab. Erstaunlich hier: Besonders die jungen Menschen (unter 25 Jahren) bewerteten die Roboter als sympathisch, während ältere zurückhaltender waren. Wissenschaftlerin Jahn sieht die Ursache dafür darin, dass die Bewertung gemacht wurde, ohne den Roboter vor Ort sehen und erleben zu können. „Bewegung und Stimme des Roboters sowie eine direkte Interaktion würden das Ergebnis sicher beeinflussen“, sagt Jahn, die für die Befragung über 5.000 Fragebögen verteilt hat und bisher über 2.700 verwertbare Fragebögen zurückbekam.
  • Toyotas HSR wird als beste Haushaltshilfe gesehen: Auch hinsichtlich der Akzeptanz bezüglich einzelner Aufgaben liegen GARMI und der Care-O-Bot auf etwa einem Niveau. Auch hier sind besonders die Bereiche Serve und Media am meisten akzeptiert. Sofern es jedoch um persönlichere Aufgaben geht (Mobility), herrscht noch Skepsis. Auffällig: Während der Human Support Robot (HSR) von Toyota in den Sympathiewerten keine vorderen Ränge belegte, schneidet er in der Akzeptanz sehr gut ab, obwohl er nur mit einem Arm ausgestattet ist. „Möglicherweise spielt hier die Bekanntheit des Unternehmens Toyota sowie das sehr schlichte Design in schwarz-weiß in die Bewertung mit hinein“, vermutet Jahn.
Eva Theresa Jahn (im Bild links) erreichte für Ihr Poster über die Design-Studie am Deutschen Museum im Rahmen des Geriatronics Summit 2023 den dritten Platz. Im Bild rechts: Prof. Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums. Mit im Bild (Mitte): Yuhe Gong, CHART Research, Universität Nottingham, teilt sich den dritten Preis mit Eva Theresa Jahn für das Poster über „Episodic TD3: Introducing Movement Primitives into Actor-Critic Algorithms".

In einer weiteren Auswertung wird sich Forscherin Jahn mit der Frage beschäftigen, wie sich der strukturelle Aufbau und die Gestaltung jeweiliger Roboter und Robotergruppen auf ihre Akzeptanz auswirken.   


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