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Automatisierung von Terminal Operations: Interview mit SEAL Robotics CTO Dr. Daniel Leidner
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Welches Problem adressiert SEAL Robotics?
Dr. Daniel Leidner:
„Viele Menschen denken, dass Containerterminals bereits stark automatisiert sind. Das stimmt jedoch nicht ganz. Während einige Häfen Automatisierung im horizontalen Transport mit AGVs, also fahrerlosen Transportfahrzeugen, und im vertikalen Transport mit teilweise automatisierten Kränen eingeführt haben, werden viele Schritte dazwischen weiterhin manuell durchgeführt. Einer der wichtigsten davon ist die Sicherung von Containern während der verschiedenen Transportphasen. Dazu gehören Twistlocks auf Schiffen sowie Pins zur Sicherung von Containern auf Eisenbahnwaggons. Terminal Operations beschreibt den gesamten Ablauf, in dem ein Container durch einen Hafen bewegt wird. Man kann es fast als ein Ballett von Maschinen beschreiben. Dazu gehört ein kritischer Schritt namens Lashing, bei dem Container aufeinander gesichert werden. Diese Arbeit findet direkt unter dem Containerkran statt. Arbeiter bewegen sich unter den Containern und setzen schwere Twistlocks in die vier Ecken eines Containers ein.“
Was waren bisher die größten Herausforderungen?
Dr. Daniel Leidner:
„Eine der größten Herausforderungen war es, unsere Lösung zwischen dem technischen Problem und dem Kundennutzen zu positionieren. Dafür mussten wir viele Gespräche mit Hafenbetreibern führen und weltweit reisen. Wir haben mit Häfen in Europa, Südostasien und dem Nahen Osten gesprochen, viele davon direkt vor Ort. Erst durch diese Gespräche konnten wir genau verstehen, welche Lösung tatsächlich benötigt wird.“
Wie unterscheidet sich der reale Einsatz von der Forschung?
Dr. Daniel Leidner:
„In Forschungsumgebungen ist alles kontrolliert, einschließlich Beleuchtung, Setups und dem Roboter selbst. In realen Einsätzen muss sich das System in bestehende Infrastrukturen integrieren und mit unvorhersehbaren Situationen umgehen können. Hafenumgebungen sind Outdoor-Umgebungen mit rauen Bedingungen. Das macht sowohl die Hardwareentwicklung als auch die Software herausfordernd. Zum Beispiel haben wir unseren ersten Greiferprototyp innerhalb von 14 Tagen nach Eröffnung unseres Labors bei einem Kunden getestet. Der Test ist komplett gescheitert, aber genau dieses frühe Scheitern hat uns geholfen zu verstehen, dass wir ein anderes Design benötigen.“
Welche Rolle spielt TUM MIRMI?
Dr. Daniel Leidner:
„Die Verbindung zu robo.innovate und MIRMI reicht fast bis zu den Ursprüngen von SEAL Robotics zurück. Unser erster Prototyp wurde in Zusammenarbeit mit MIRMI-Laboren entwickelt. Robin Kirschner hat uns damals geholfen, den Prototypen in ihrem Labor aufzubauen, weil wir dort den nötigen Platz hatten. Außerdem hat Majid Khadiv die Projektarbeit unserer Mitgründerin Marie-Elisabeth Makohl betreut. Beim robo.innovate Hackathon im vergangenen Jahr konnten wir den Prototypen gemeinsam mit Studierenden testen und erhielten den Preis für den Best Problem Solution Fit.“
Wohin entwickelt sich SEAL Robotics?
Dr. Daniel Leidner:
„In fünf Jahren sollte SEAL Robotics die erste Adresse für Hafenbetreiber sein. Wenn ein Betreiber nach einer Lösung für ein bestimmtes operatives Problem sucht, sollte er uns anrufen.“
Interview: Arda Can Boyraz